Mein Aufenthalt in Ghana-Westafrika im April 2004

Fotos zur Reise sind unter Reisefotos.

Der Ghanaurlaub war die erste Reise, die ich alleine unternommen habe.
Für eine Ghanareise sind viele Vorbereitungen zu treffen, die ich innerhalb von 4 Wochen erledigt haben musste, weil ich mich für diese Reise ganz spontan entschlossen hatte. Als erstes musste ich ein Visum bei der Ghanischen Botschaft in Berlin beantragen, dann ist bei der Einreise eine Gelbfieberimpfung Pflicht. Es gab noch verschiedene andere Impfen, die empfohlen wurden und aufgefrischt werden mussten, sowie die Malariaprofilaxe. Zudem war wichtig die tropengerechte Kleidung, Mückenschutz und eine Taschenlampe sollte man auch dabei haben.
Einen Tag vor der geplanten Abreise kam der enttäuschende Anruf, dass der Flug mit Ghana Airways abgesagt wurde. Aber man hatte sich schon bemüht mir eine Alternative anzubieten, so konnte ich einen Tag später fliegen, erst mit British Airways nach London und dann weiter mit Ghana Airways nach Accra. Der Flug war Nachts, sodass ich morgens um 6.00 Uhr endlich in Accra, der Hauptstadt von Ghana, war. Als ich aus dem Flughafen heraus kam wurde ich gleich umlagert von Taxifahrern, die ich über 1 Stunde ständig abwimmeln musste, weil man mich vom Hotel abholen wollte.
Accra Die Fahrt zum Hotel in Biriwa, ca. 130 km, dauerte fast 4 Stunden, weil in ganz Accra Stau war. So konnte ich die ersten Eindrücke sammeln, ich sah niemanden, der etwas mit den Händen trug, alles wurde auf dem Kopf transportiert. Am Stau entlang liefen Frauen mit verschiedenen Sachen auf dem Kopf, wie Gebäck, Brot, Obst, Getränke oder Eier, die man kaufen konnte.
Von meinem Zimmer im Biriwa Beach Hotel war ich angenehm überrascht, sehr geräumig, sauber und mit einer immer funktionierenden Klimaanlage. Bei dem tropischen, feuchten, heißen Klima in Ghana kann ich eine Klimaanlage nur empfehlen.
Biriwa Beach Jetzt war ich neugierig auf den Strand, es war traumhaft, ein langer sandiger Strand am Atlantischen Ozean und es war kein Tourist zu sehen. Zu meiner Enttäuschung musste ich feststellen, dass schwimmen unmöglich war. Die Wellen und Strömung waren so stark, das ich mehr unter als über Wasser war. Aber ich war nicht lange alleine, ein Junge, Joseph, aus dem nahe gelegenen Fischerdorf Biriwa kam vorbei und setzte sich zu mir. Er zeigte mir dann eine Stelle an der Bucht wo schwimmen möglich war und ist auch gleich mit mir ins Wasser gesprungen. Später hat er mir noch sehr gekonnt eine Kokusnuß aus dem hinter uns liegenden Palmenwald geknackt.
Das Hotel hatte ein sehr gutes Restaurant, wo ich meinen ersten aufregenden Tag in Ghana ausklingen lassen konnte.

Da Sonntag war und die Banken und Forexbüros geschlossen hatten, hat mir die Hotelmanagerin Geld in der Landeswährung, Cedis, geliehen.
Biriwa Ich hatte mich mit Joseph verabredet, er wollte mir sein Dorf zeigen. Wir kamen zuerst an den Holzkanus der Fischer vorbei dann ging es weiter über viel Müll und Dreck hoch ins Dorf. Biriwa Es sah alles sehr ärmlich aus, gekocht und gewaschen wurde draußen, die Ziegen und Hühner liefen überall herum und man musste ständig aufpassen, dass man nicht irgendwo hineintrat. In der Mitte des Dorfes stand ein bunt angemaltes Gebäude mit Figuren davor. Nachdem ich das fotografiert hatte und weitergehen wollte kamen 3 Männer auf uns zu und es gab ein großes Palaver in ihrer afrikanischen Sprache, Fanti. Joseph hatte mir vorher schon erklärt, dass sie etwas Geld haben wollen für Farbe und Instandhaltung, wenn man fotografiert. Also gab ich ihnen 1 Euro und alle waren zufrieden. Nach der Besichtigung des Dorfes haben wir erst mal eine Pause gemacht in Lovers Garden, eine Bar in dem Dorf.
Den Nachmittag haben wir dann wieder am Strand verbracht.
Mein Abendessen im Hotel konnte ich bei einem schönen Ausblick genießen, der Vollmond über dem Meer leuchtete die Fischerboote an.
Danach haben mich Joseph und sein Cousin Justice abgeholt um in der Bar im Dorf noch etwas zu trinken. Es kamen immer wieder andere Leute an unseren Tisch, die mich kennenlernen wollten und ich muß sagen so viele Heiratsanträge an einem Abend hatte ich vorher noch nie bekommen. Es waren ein paar amüsante Stunden. Da ich mir den Anblick der sanitären Einrichtung in der Bar ersparen wollte, hat Joseph mich zurück zum Hotel gebracht.

Das Hotel bot verschiedene Touren an, die man vor Ort buchen konnte. Da ich der einzige Hotelgast war bin ich alleine mit dem Fahrer gestartet. Wir sind zuerst nach Cape Coast gefahren um Geld zu tauschen. Im ersten Forexbüro waren gerade keine Cedis mehr da, so fuhren wir zum nächsten. Ich gab ihr 100 Dollar und sie fragte ob ich eine Plastiktüte dabei hätte. Hatte ich natürlich nicht, so schob sie mir 900 000 Cedis in 5000 Cedis Scheinen herüber mit Plastiktüte.
Elmina Castle Jetzt stand die Besichtigung von Elmina Castle an. Ein Guide hat mich durch die Sklavenburg geführt und alles ausführlich erklärt. Elmina Castle wurde im Jahre 1471 von den Portugiesen erbaut und war die Zentrale des Sklavenhandels in der Welt. Von hier aus wurden Sklaven nach Amerika und in andere Teile der Welt verschifft. Es ist das älteste europäische Bauwerk in den Tropen. Elmina Von der Burg hatte man einen schönen Ausblick auf den Fischerhafen mit den vielen Holzkanus und über die Stadt Elmina.
Als ich am Nachmittag am Strand war, kam Joseph und brachte mir eine Flasche Palmwein. Es war mir unmöglich diesen zu trinken, weil er für mein Geruchsempfinden einfach scheußlich stank. So gab ich ihm das Geld dafür und sagte ihm er soll ihn seiner Mutter schenken.
Am Abend traf ich mich mit Joseph und 2 seiner Cousins, Frederic und Justice, in der Bar und das Bier dort schmeckte mir doch erheblich besser. Bevor ich Abends ins Bett ging hatten die Hotelangestellten immer noch etwas Zeit für eine Unterhaltung mit mir, da ich ja der einzige Gast war.

Da die Jungen an diesem Morgen in der Schule waren nutzte ich die Zeit um zu fotografieren und zu lesen.
Cape Coast Castle Am Nachmittag bin ich dann mit den 3 Jungen in einem Taxi nach Cape Coast gefahren um die Sklavenburg dort zu besichtigen. Cape Coast Castle war ursprünglich ein kleiner Handelsplatz, wurde dann aber nach und nach zum Fort ausgebaut, bis es schließlich der zweitgrößte Sklaven-Umschlagplatz nach Elmina war. Im Castle wurde ein modernes Museum eingerichtet was die Geschichte in Bildern und Filmvorführungen wiedergibt.
Cape Coast Bei einem ausgiebigen Essen in einem Restaurant habe ich mal die einheimische Küche probiert, Bantu mit Fisch, Bantu ist ein Kloß aus Maismehl. Anschließend haben wir noch einen Stadtbummel durch Cape Coast gemacht. Dort herrschte viel Trubel und es gab einfach alles zu kaufen. Da eine weiße Frau alleine dort doch eher die Ausnahme ist, war ich angenehm überrascht, dass ich überhaupt nicht belästigt wurde.
Der Mond war an diesem Abend nicht zu sehen und eine Straßenbeleuchtung gab es auch nicht, so musste ich mir den Weg zur Bar mit der Taschenlampe beleuchten. Da die Jungen noch nicht da waren, wurde ich sofort von anderen Leuten in Beschlag genommen, die alles über das Leben in Deutschland erfahren wollten. Ich habe von vielen gehört, dass es ihr Traum ist nach Deutschland zu kommen, sie aber das Geld für das Flugticket nicht haben, weil es das zehnfache ihres Monatseinkommen kostet.

An diesem Morgen hatte ich Zeit für eine ausgedehnte Strandwanderung. Da gerade Ebbe war konnte ich auch um die Felsenbucht herumlaufen, musste mich dann aber später beeilen um vor der Flut wieder zurück zu sein.
Anomabo Beach Am Nachmittag bin ich mit den 3 Jungen zur 4 km entfernten Anomabo Beach gefahren. Nachdem wir eine Kleinigkeit im Restaurant gegessen hatten, sind wir mit Schaumstoffbrettern ins Wasser und sind darauf auf dem Bauch liegend auf den hohen Wellen gesurft. Der Strand war auch sehr ansprechend, mit Palmen, Sonnenschirmen und Liegen. Wir hatten viel Spaß.
Lovers Garden Zum Abendessen im Hotel habe ich Red Red probiert, gebratene Kochbananen mit scharfer Soße, Bohnen, Zwiebeln und Hühnchen. Abends in der Bar wollten die Jungen, die immer hungrig waren, keine Getränke haben, die ich ihnen immer bezahlte, sondern sich von dem Geld lieber an der Straße Bantu mit Fisch kaufen. Das Essen war in Plastikbeuteln und gegessen wurde immer mit den Fingern.

Um 6.00 Uhr morgens war Abfahrt nach Kumasi mit dem Hotelmanager und 3 Angestellten. Die Fahrt dauerte fast 5 Stunden für 230 km, weil die Straßen sehr schlecht waren.
Kumasi Kumasi ist die Haupstadt der Ashanti Region und Sitz des Königs der Ashantis - der reichste und mächtigste Stamm in Ghana. Die Ashantis sind umgeben von Legenden und einer welthistorischen Vergangenheit. Kumasi war der Umschlagplatz für Sklaven, Gold und Elfenbein im Landesinneren. Die Ashanti Region ist reich an Gold, Kakao, Holz, und ist die Heimat des Kente-Stoffes sowie von Holzschnitzereien. Kumasi Im alten Königspalast befindet sich jetzt ein Museum, das wir als erstes besichtigt haben. Danach haben wir den größten Markt Westafrikas besucht, der sich in Kumasi befindet. Es wurden Unmengen von Waren angeboten und es waren so viele Menschen dort, dass ich Angst hatte meine Begleiter aus den Augen zu verlieren.
Im Anschluß sind wir zu einer Straße gefahren, wo es nur Holzschnitzereien gab. Mit Hilfe meiner Begleiter, die die Preise heruntergehandelt haben, konnte ich sehr günstig meine Andenken für zu Hause erwerben. Nachdem wir uns dann durch den Stau in Kumasi gequält hatten, machten wir Rast in einem Restaurant am Lake Bosomtwe und waren dann nach anstrengender Rückfahrt um 22.00 Uhr wieder im Hotel.

Nach dem Frühstück startete die 3. Tour, die ich im Hotel gebucht hatte zum Regenwald im Kakum Nationalpark. Auf halber Strecke hatten wir eine Autopanne. Da der Fahrer die passenden Ersatzteile nicht dabei hatte, bin ich alleine mit einem Taxi weitergefahren.
Der Kakum National Park befindet sich in einem Stück afrikanischen Regenwald, wo es noch keine Landroover Strassen gibt. Eine 7 teilige Hängebrücke, die in 40 Metern Höhe von einem Urwaldriesen zum anderen gespannt ist, gibt einem einen überwältigenden Eindruck. Kakum Man darf nur einzeln über die Brücken gehen und es ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Bei einer einstündigen Wanderung durch den Regenwald hat mir der Guide die verschiedenen Arten der Bäume gezeigt, erklärt welche Heilmittel daraus gewonnen werden und wie sie in der Natur von den Tieren genutzt werden.Es gibt hier noch Tiere, die an anderen Stellen der Welt bereits ausgestorben sind. Natur ist hier noch Natur.
Hans Am Ausgang wartete der Fahrer vom Hotel, der zwischenzeitlich das Auto repariert hatte, auf mich. Im National Park hatte ich Carsten, ein Deutscher, der für einige Jahre beruflich in Ghana ist, kennengelernt. Er empfahl mir ein schönes Restaurant, wo wir gemeinsam mit dem Fahrer eine Pause machten. Am Restaurant war ein See in dem viele Krokodile waren und auf keinen Inseln im See standen Bäume, die voller Nester von Webervögeln hingen.
Am Abend hatte ich die Gelegenheit mir die Wohnung eines Hotelangestellten anzusehen, ein Zimmer, in einer Ecke lag eine Matratze, in der Anderen waren ein paar Utensilien verteilt und durch das Zimmer war ein Vorhang gespannt worüber seine Kleidung verteilt war. Für uns kaum vorstellbar so zu leben.

bei Frederic Am Morgen hatte ich mich mit den Jungen verabredet, weil sie mir ihre Familien vorstellen wollten. Zuerst sind wir zu Frederics Haus gegangen. Ich wurde sehr freundlich empfangen, musste mich aufs Sofa setzen und wurde bewirtet mit Getränken und Gebäck. Ich lernte seine Mutter und Geschwister kennen sowie die Oma der Jungen. Während der Unterhaltung lief die ganze Zeit der Fernseher und im Bett, das auch in dem Raum stand schlief sein Bruder. Er war sehr erschrocken und verschämt als er mich sah, weil er nur eine Unterhose anhatte.
Essen Danach lernte ich die Mutter und Schwester von Joseph kennen. Als ich meinen Fotoapparat herausholte ging die Mutter sich erst mal umziehen fürs Foto. Sie hatte für uns gekocht, Reis mit Fisch, das wir dann am Tisch in der Bar aßen. Für mich gab es auch Besteck, die Jungen aßen mit den Fingern. Auf dem Rückweg zum Hotel sind wir noch bei Justice Familie vorbeigegangen.
Im Hotel Restaurant wartete Carsten auf mich, ich hatte ihm von der guten Küche vorgeschwärmt. Es tat gut sich mal wieder in Deutsch zu unterhalten. In einer gemütlichen Runde in der Bar mit den Jungen und anderen Leuten, die ich kennenlernte, ging auch dieser Tag wieder viel zu schnell zu Ende.

Joseph bat mich mehrfach ihn finanziell bei seiner Schulausbildung zu unterstützen, er wollte unbedingt studieren und seine Familie ist sehr arm. Ich wurde von mehreren Leuten gewarnt, dass dies eine Masche sein könnte um an Geld zu kommen. So setzte ich mich per Brief mit seinem Schuldirektor in Verbindung und er bestätigte mir, dass Joseph ein guter und ehrgeiziger Schüler ist und schrieb mir auf wie hoch das Schulgeld ist.
Biriwa Zum Mittagessen hatte ich mich mit Carsten zum Hummeressen im Hotelrestaurant verabredet. Anschließend sind wir mit den Jungen zur Anomabo Beach gefahren und hatten wieder viel Spaß beim Wellensurfen.

Am Morgen kam der Schuldirektor mit Joseph zum Hotel, weil ich nur ihm persönlich das Geld für Josephs Schulausbildung übergeben wollte. Beide haben sich sehr gefreut.
Jungen Nachdem ich meinen Koffer gepackt hatte kamen alle um sich von mir zu verabschieden.
Der Hotelmanager mit einem Fahrer brachten mich nach Accra. In Accra besuchte ich noch den Kunstmarkt und er zeigte mir die Stadt. Bei einem Abschlussessen in einem Restaurant kam ich noch dazu Fufu zu essen. Fufu schmeckt wie ein Kartoffelkloß und schwimmt in einer Suppe. Gegessen wird mit den Fingern. Jeder bekam eine Schüssel mit Wasser und Seife dazu um sich hinterher die Finger zu waschen.
Am Flughafen angekommen kam der große Schock. Nachdem ich vergeblich den Eincheckschalter für Ghana Airways gesucht hatte, erfuhr ich, dass der Flug 24 Stunden Verspätung hat. Aber dann entwickelte sich doch noch alles zum Guten, ich schloß mich einer deutschen Reisegruppe an, wir bekamen von Ghana Airways eine Hotelübernachtung und Abendessen.

Die Reisegruppe hatte einen Bus gemietet und so verbrachten wir den Morgen am Strand von Accra.
Accra Nach dem Mittagessen auf Kosten von Ghana Airways fuhren wir zum Flughafen und konnten tatsächlich einchecken. Da wir erst um 22.00 Uhr wieder da sein mussten, fuhren wir zu einem Restaurant direkt am Meer wo wir unsere letzten Cedis ausgeben konnten. Das war noch ein schöner und unterhaltsamer Abschluß.


Diese Reise wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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